Wenn korrektes Englisch schroff klingt

Die Ingenieurinnen und Ingenieure, mit denen ich arbeite, sind oft überrascht, dass ihr Englisch das Problem sein soll. Die Grammatik sitzt, das Fachvokabular ist präzise – und trotzdem fällt die Antwort aus London kühler aus als erwartet.

Das liegt selten an Fehlern. Es liegt daran, wie viel Abstand eine Sprache zwischen eine Bitte und ihren Empfänger legt. Deutsch legt diesen Abstand in die Situation: Alle wissen, was zu tun ist, also sagt man es. Englisch legt ihn in den Satz. Links steht jeweils der Satz, der im Deutschen völlig normal ist. Rechts die englische Fassung, die dasselbe meint und anders ankommt.

Als PDF herunterladen · kostenlos, ohne Anmeldung, zum Ausdrucken und Weitergeben.

Bitten

  • Send me the figures by Thursday.

    Could you send me the figures by Thursday?

    Grammatisch ist beides korrekt. Der Imperativ wirkt im Englischen jedoch wie eine Anweisung von oben – auch unter Gleichrangigen. Die Frageform macht die Höflichkeit, nicht das Wort please.

  • Please confirm by 5pm.

    Would you be able to confirm by 5pm?

    Please vor einem Imperativ verstärkt die Aufforderung eher, als dass es sie abmildert.

  • I need the specification.

    I'd need the specification before I can start.

    Modalverben wie would, could und might sind die Stoßdämpfer des Englischen. Ohne sie klingt ein Satz härter, als er gemeint ist.

  • You have to check with legal.

    It might be worth checking with legal.

    You have to ist im Englischen deutlich schärfer als das deutsche Sie müssen.

Ablehnen und widersprechen

  • No, this is not possible.

    We can do that, but it would mean pushing the testing to March.

    Der wichtigste Satz auf dieser Seite. Inhaltlich identisch, aber die Tür bleibt offen. Das ist keine Weichspülerei: Sie sagen weiterhin, dass es so nicht geht.

  • I disagree.

    I see it slightly differently.

    I disagree steht auf der englischen Skala deutlich weiter oben, als die meisten Lernenden erwarten. Für eine normale Meinungsverschiedenheit ist es zu stark.

  • That is wrong.

    I'm not sure that follows.

    Greift das Argument an statt die Person.

  • We cannot deliver in March.

    March would be difficult — April is realistic.

    Eine Alternative anzubieten verwandelt eine Absage in eine Verhandlung.

E-Mails

  • Dear Mr Smith, I need the report.

    Hi John, thanks for the update yesterday — could you send the report over?

    Im britischen Arbeitsalltag ist der Vorname deutlich früher üblich als im Deutschen. Dear Mr wirkt bei bekannten Kontakten distanziert.

  • With kind regards

    Best regards / Best / Thanks

    With kind regards ist eine direkte Übersetzung von Mit freundlichen Grüßen und klingt im Englischen steif. Best regards reicht völlig.

  • I am writing to you because…

    Quick one — … / Following up on our call, …

    Englische Geschäfts-E-Mails kommen schneller zur Sache als die deutsche Anlaufformel.

  • Enclosed you find the offer.

    I've attached the offer.

    Please find enclosed ist Papierzeitalter. Der Aktivsatz ist heute normal.

Meetings

  • I have a question.

    Can I ask something about the timeline?

    Kündigen Sie an, worum es geht. Ein blankes I have a question lässt den Raum warten.

  • You did not answer my question.

    Sorry, I may have missed it — what does that mean for the timeline?

    Dieselbe Nachfrage, ohne den Vorwurf.

  • That is not my job.

    That sits with the operations team — shall I put you in touch?

    Zuständigkeit klären, ohne die Bitte zurückzuweisen.

  • Good. Next point.

    Great, thanks. Anything else on that before we move on?

    Deutsche Effizienz im Meeting liest sich auf Englisch schnell als Ungeduld.

Wir üben das an Ihren echten E-Mails und Ihrem nächsten Meeting.

Kostenlose Probestunde buchen

← Alle Materialien